YABYUM, das Schweizer Tantra-Magazin

Auf dem Titelbild: Michaela Riedl Mitbegründerin von ANANDA Köln

Tantra-Massage : Was sie ist, wie sie wirkt, wo es sie gibt. 
 

Erleben, dass Wohligkeit durch den Körper rieselt, die Sinne gesättigt sind, der Geist ruhig und die Seele schwebend.

Der Wert von Massage ist unbestritten, denn Berührung verbunden mit Zuwendung sind für den Menschen und sein Wohlbefinden wichtig, für Kleinkinder ist sie sogar von existentieller  Bedeutung, wie schon in den fünfziger Jahren durch die Studien des Kinderarztes und Psychoanalytikers René Spitz bekannt wurde. Er hatte das Heranwachsen von Säuglingen in einem Waisenhaus beobachtet, die materiell und hygienisch einwandfrei versorgt waren, aus mangelnder Zuwendung jedoch in ihrer Entwicklung Schaden nahmen oder gar starben. Neuere Untersuchungen zeigen, dass zum Beispiel Frühgeborene, die dreimal täglich massiert werden, schneller an Gewicht zunehmen und einige Tage früher das Spital verlassen können als Kinder, die ohne diese Zuwendung auskommen müssen.


In der europäischen oder amerikanischen Gesellschaft hat sich trotz dieser Erkenntnisse kaum eine Berührungskultur entwickelt, die ausgiebiges Berühren kennt mit dem einen Zweck, Wohlbefinden zu schenken. Anders in Thailand oder auch in Teilen Indiens, wo Massagen zum Alltag gehören, sich die Menschen häufig im Familienverband oder auch im Freundeskreis massieren. 
Das Angebot an Massageformen jedoch, die als Dienstleistung in Anspruch genommen werden können, ist bei uns unüberblickbar: 
Klassische Massage, Bindegewebsmassage, Sportmassage, Akupunkt-Massage, Esalen-Massage, Fussreflexzonen-Massage, Shiatsu, Reiki und eben Tantra-Massage und weitere mehr. 
Während sich bei vielen Massageformen Schulen herausgebildet haben, deren Methoden eingetragen und geschützt sind, und die damit für Klienten und Klientinnen auch eine gewisse Qualitätsgarantie bieten, blüht die Tantra-Massage im freien Feld. So laufen unter der Bezeichnung Tantra-Massage die unterschiedlichsten Formen, angeboten vom angesehenen Tantra-Institut bis zum Etablissement aus dem Rotlichtmilieu. Die Tantra-Massage kann die verschiedensten Variationen beinhalten. Sie reichen von einer viertelstündigen Penis-Massage in Räucherstäbchen-Atmosphäre bis zur mehrstündigen, alle Sinne umfassenden, den ganzen Körper einschließenden Berührung.

Was alles unter der Bezeichnung Tantra-Massage verstanden wird, zeigt, wie dafür geworben wird. Ein Video wird angekündigt mit: 
<<Tantra-Massage gibt nicht nur dem Körper, sondern auch dem Geist neue Kraft. Sie schenkt die Entspannung, die uns unsere Lust noch intensiver erleben lässt.>> Auf einer Homepage eines Massagesalons wird sie angepriesen als <<eine besonders erotische Massage, bei der die Hände die Lebensenergie sehr sanft in Richtung Po übertragen....>>. Ein Tantra-Institut wiederum sieht die Tantra-Massage nur in Funktion zum tantrischen Weg: <<Mit Hilfe von Tanz, Körperübungen, tantrischen Massagen (der Form nach sinnlich, zärtlich, erotisch, energetisch, meditativ) und Meditationen soll man sich selbst immer mehr entfalten und ausdehnen. Der tantrische Weg endet nicht im persönlichen und zwischenmenschlichen Bereich. Er soll weiterführen in eine größere Dimension, den spirituellen Raum.>> Gewähr für Qualität bieten einzig Ausbildung, Erfahrung und Integrität der Massierenden.


Loslassen und Hingabe stehen im Zentrum 
In guten Tantra-Massagen wird immer der gesamte Körper berührt. Die Sinne werden angeregt, die Empfindsamkeit erhöht sich. Los-lassen und Hingabe stehen im Zentrum, die Wahrnehmung ist nach innen gerichtet, in den Körper und auf die eigenen Empfindungen. Im Fokus der massierenden Person steht die Aktivierung und Ausbalancierung der Lebensenergie, die grundsätzlich jedem Menschen innewohnt, nicht zu verwechseln mit sexueller, auf Orgasmus beziehungsweise auf Ejakulation gerichtete Erregung. Dabei können verschiedenste Techniken angewandt werden, sei es aus der klassischen, aus der Esalen-Massage, aus Shiatsu oder anderen Formen. Von großer Bedeutung ist die Haltung der massierenden Person, sie ist in ihrer absichtslosen Aufmerksamkeit vollkommen auf den Klienten, die Klientin eingestellt. Im Idealfall wird die Massage zu einer Meditation. Die Rollen, wer die massierende, wer die massierte Person ist, sind von Anfang bis Schluss klar definiert.

Wunderbar ist das Berührtwerden mit Federn, das Verwöhnt-werden mit feinen Früchten, mit duftenden Blumen, das Massiert-werden mit wohlriechenden Salben und Ölen in einer sinnlichen Atmosphäre mit leiser sanfter Musik und gedämpftem Licht. Ein Genuss, den sich jedermann und jedefrau immer wieder mal schenken sollte. Es kann nur gut tun, hin und wieder zu erleben, dass Wohligkeit durch den Körper rieselt, die Sinne gesättigt sind, der Geist ruhig und die Seele schwebend. (...)

Text: Regula Schenkel 
Fotos: Pedro Citoler für ANANDA Köln